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Rezension: Wir werden erwartet

Wirwerdenerwartet

Wir werden erwartet von Ulla Hahn

Geschichte, Politik ║ Deutsche Verlags-Anstalt (28. August 2017)

19.99 Euro (E-Book), 28.00 Euro (Hardcover) ║640 Seiten

Link zum Buch**


Klappentext

Die Geschichte einer verführbaren jungen Frau in den turbulenten Jahren nach 1968
Die Welt steht Hilla Palm offen. Nach langem Suchen hat das Mädchen aus einfachem Hause endlich ihre Heimat gefunden: in der Literatur und Hugo, dem Mann, der Hilla mit all ihren bitteren Erfahrungen annimmt. Zusammen entdecken sie die Liebe und erleben die 68er Jahre, in denen alles möglich scheint.
Doch dann durchkreuzt das Schicksal ihre Pläne, und verzweifelt sucht Hilla Halt bei Menschen, die für eine friedvollere, gerechtere Welt kämpfen. Die marxistische Weltanschauung wird ihr zum neuen Zuhause. Beherzt folgt sie ihren Überzeugungen und muss am Ende doch schmerzlich erkennen, dass Freiheit ohne die Freiheit des Wortes nicht möglich ist.
„Wir werden erwartet“ erzählt mitreißend die Geschichte einer suchenden jungen Frau in den turbulenten Jahren zwischen 1968 und dem Deutschen Herbst. Ein nachdenklich stimmendes Buch über den Mut, die Gesellschaft und sein Leben zu verändern – ein Buch über die Kraft der Versöhnung.

(Quelle: Amazon.de)


Der erste Satz

Lommer Jonn, sagt der Großvater und greift in die Luft: Ist sie schon dick genug zum Säen, dünn genug zum Ernten?


Meinung

Häufig habe ich mich schon gefragt, wie können totalitäre Systeme so viele Anhänger gewinnen? Wie ist es möglich, dass sich Menschen in politischen Ideen verlieren und gar nicht bemerken, was sie da eigentlich tun? All diese Fragen schwirrten mir im Kopf herum, als ich „Wir werden erwartet“ zu lesen begann. Und obwohl sie teils beantwortet  wurden, waren sie für mich nie präsenter.

Eine junge Frau, die mit dem Mann ihrer Träume glücklich ist, wird jäh aus ihrer heilen Welt gerissen, als er sie unfreiwillig für immer verlässt. Hilla Palm lässt sich daraufhin Ende der sechziger Jahre auf neue politische Ideen ein und verstrickt sich immer mehr in ihnen… Dass besonders verletzliche Menschen, die etwa gerade in einer Krise stecken, für Propaganda empfänglich sind, ist bekannt, doch Ulla Hahn schildert genau diesen Prozess des Verführens in ihrem Roman auf beeindruckende Weise. Sie erzählt das Leben ihres Alter-Egos, Hilla Palm, so authentisch und berührend, dass der Leser einen neuen Blick auf die Vergangenheit erlangt und nicht nur mit Anschuldigungen an frühere Generationen denkt, sondern mit Verständnis und einem Gefühl dafür, dass die Vergangenheit nicht so abgeschlossen ist, wie häufig behauptet wird.

Durch die Nähe der Autorin zur Protagonistin, wird dieses Werk nicht nur nahezu autobiografisch, sondern besonders auf der emotionalen Ebene eine wahre Herausforderung. Ich hatte Mühe, mich nach dem Lesen einiger Seiten wieder in der Realität zurecht zu finden, da meine Gedanken immer wieder zu „Wir werden erwartet“ zurückwanderten. Was ich etwas problematisch finde, sind die Länge der Szenen. Mit über sechshundert Seiten ist der Roman mit Sicherheit keine leichte Lektüre und häufig werden Gefühle oder Geschehnisse so genau beschrieben, dass deren Zauber verloren geht und es eher zu einer wissenschaftlichen Analyse wird, als zu einem Leseerlebnis.

Ulla Hahn kann schreiben, daran besteht kein Zweifel. Sie setzt Worte an genau der richtigen Stelle ein und schafft durch sie eine Empathie im Leser auszulösen, die wahrlich beeindruckend ist. Und gerade wenn es um eine Zeit geht, die niemals vergessen werden darf, ist es eine Kunst, einen Blick auf eben diese zu geben und dabei eine Darstellung der Vergangenheit zu erschaffen, die Leser sich zuvor kaum hätten vorstellen können…


„Wir werden erwartet“ ist ein fantastischer Roman, der einen neuen Blick auf eine Zeit gibt, die (besonders jüngere Leser) schocken und wachrütteln wird. Allein die Ausführlichkeit, welche mir die Emotionen und den Lesefluss teils nahm, versetzt diesem Roman einen kleinen Dämpfer und dennoch ist er mehr als lesenswert!

 Fazit

Ich vergebe:
4

Ich möchte mich herzlich bei der Deutschen Verlags-Anstalt, RandomHouse und natürlich Ulla Hahn für mein Rezensionsexemplar bedanken!*

Krisi

*Rezensionsexemplare erhalte ich im Austausch für eine Rezension, die meine Meinung wiederspiegelt und unabhängig ist.

** gekennzeichnete Verlinkung kennzeichne ich gemäß § 2 Nr.5 TMG als Werbung

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