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Rezension: Sie gingen einen langen Weg

SiegingeneinenlangenWeg

Sie gingen einen langen Weg von Peter Hakenjos
ET: 01.06.2017 ║ Historischer Roman / Gegenwartsliteratur
2,90€ (eBook) 8,52€ (Taschenbuch) ║ ca. 216 Seiten

Klappentext

Der Aramäer Aram Djallo wird in der Sowjetunion von der deutschen Wehrmacht aufgegriffen und zur Zwangsarbeit ins Reich nach Karlsruhe verschleppt. In der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik begeht er Verrat und muss sich verstecken. Leni Buntin flieht vor den anrückenden Sowjetstreitkräften nach Westen. Sie verliert auf der Flucht ihre Eltern und wird von ihrer kleinen Schwester getrennt. Der Krieg scheint die Zukunft Lenis und Arams zerstört zu haben, bis sie in Karlsruhe aufeinander treffen.

(Quelle: Amazon.de)


Der erste Satz

Es war Sonntag.


 Meinung

Wer häufig historische Roman liest, wird wissen, dass das Genre mit Romanen über das dritte Reich und die DDR überfüllt ist. Dass trotzdem jedes einzelne von ihnen eine ganz besondere Geschichte (womöglich sogar eine Erfahrung) schildert, zeigt Sie gingen einen langen Weg sehr eindrucksvoll.

Wie war das Leben wirklich für Zwangsarbeiter während der NS-Herrschaft? Fast jeder weiß, dass dieses Leben von Terror und Angst beherrscht sein musste, jedoch genaueres liegt oft im Verborgenen. Peter Hakenjos schildert solch ein Schicksal anhand zweier Figuren, welche ihren Alltag durchstehen und ungeschönt all ihre Erfahrungen an den Leser weitergeben. Die Geschichte ist nicht nur eine historische Betrachtung, sondern öffnet auch die Augen des Lesers und lässt kritische Fragen offen. Ich komme aus der Region Karlsruhe/Stuttgart und hatte keine Ahnung, dass es hier solch grausame Lager gab. So lernt der Leser nicht nur Charaktere oder die Geschichte besser kennen, sondern auch eventuell die eigene Region.

Die Charaktere sind überzeugend, egal ob sie Sympathieträger sind oder nicht. Leni und Aram stehen zwar im Mittelpunkt, dennoch scheint auch jedem Nebencharakter eine große Rolle zugeschrieben zu sein, da jeder von ihnen die Protagonisten beeinflusst. Egal ob es auf romantische oder zerstörerische Art ist.

Der Herbstregen trommelte auf das Barackendach und weichte die geschotterten Lagerstraßen auf. Es wurde kalt. Im Lager blies der Wind durch die Ritzen der Holzbaracken. (S.65)

Dieser Abschnitt lässt es dem Leser nicht nur kalt den Rücken hinab laufen, sondern zeigt auch, wie Peter Hakenjos eine einzigartige Stimmung im Roman verbreitet. Die Melancholie und Traurigkeit der Situation wird nur selten in direkten Worten beschrieben, sondern ist hauptsächlich in Farben oder Zuständen bemerkbar. Genau dies macht für mich eine authentische Erzählung aus, da der Leser so direkt in die Geschichte mit einbezogen und nicht hauptsächlich von subjektiven Ansichtsweisen beeinflusst wird. (Besonders der letzte Satz macht genau durch diese Tatsache Eindruck!)


Fazit
Sie gingen einen langen Weg ist einer der eindrucksvollsten Romane über die NS-Zeit, die ich je lesen durfte. Besonders für mich als Geschichtsstudentin war der Roman etwas ganz Besonderes, kann allerdings mit Sicherheit auch andere Leser überzeugen.
Ich vergebe:

 

Krisi

 

 

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